Was bewirkst du mit deiner freien Stimme?

Was bewirkst du mit deiner freien Stimme?

Ostern lag ich flach mit Covid. Statt Familienfeier und Eiersuchen mit der Nichte und dem Neffen, hatte ich Muße, meine Watchlist abzuarbeiten. Darunter befand sich auch der Film „Suffragette“ mit Meryl Streep und Helena Bonham Carter. Diesen Film hatte ich schon jahrelang vor mir hergeschoben, weil ich wusste, dass er mir nahegehen würde. Aber Ostermontag war endlich der Tag und ich schaute ihn mir an.

Und war im besten Sinn erschüttert. Ja, ich wusste, dass Frauen sich überall auf der Welt das Wahlrecht erst erkämpfen mussten (und zum Teil heute noch nicht besitzen).  Und dass die Frau an sich bis vor wenigen Jahrzehnten auch in Deutschland noch erschreckend wenige Rechte besaß. Und obwohl ich dies wusste, hat mich dieser Film verändert zurückgelassen. 

Der harte Kampf bis zur freien Stimme

Denn durch diese fesselnd erzählte Geschichte konnte ich erleben, wie einer Mutter das Kind weggenommen wurde – weil es legal dem Vater gehörte. Wie eine 14-Jährige regelmäßig von ihrem Arbeitgeber missbraucht wurde – und sie nicht einmal versucht hat, sich dagegen zu wehren, weil sie chancenlos gewesen wäre. Wie Frauen inhaftiert und im Gefängnis gefoltert wurden, nur weil sie auf der Straße für ihre Rechte ihre Stimme erhoben. Wie Frauen vor dem Parlament über ihre menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen berichtet haben – völlig ohne Konsequenzen. Und wie eine Frau namens Emily Davison sich bei einem Reitturnier vor das galoppierende Rennpferd des Königs warf und starb – und erst dadurch der bis dahin schon Jahrzehnte dauernde Kampf um das Wahlrecht für Frauen mediale Aufmerksamkeit erhielt.

Der Film erzählt Geschichten, die in London 1913 so oder so ähnlich geschehen sind. Heute haben alle Frauen in Europa das Recht zu wählen. Wir dürfen unsere Stimme erheben, ohne das Gesetz zu fürchten. Wir haben freien Zugang zu Bildung, großenteils sogar gratis, und dürfen über unsere Körper wie auch über unsere Arbeitskraft frei bestimmen.

Wofür erhebst du deine Stimme?

Ich stelle mir vor, wie Emily Davison und ihre Kampfgenossinnen uns heute gegenüberstehen. Wie sie unsere Privilegien sehen und erkennen, dass ihr Kampf nicht umsonst war. Ich höre aber auch die leise Frage: „Und was macht ihr jetzt damit? Wofür erhebt ihr eure freien Stimmen?“

Diese Frage beschäftigt mich, seitdem ich den Film gesehen habe. Und ich denke nach über den Beruf, den ich ausüben darf, indem ich Menschen begleite, die nach ihrer wahren Stimme auf ganz anderen Wegen suchen. Vor dem Gesetzt sind sie frei, aber nicht immer fühlen sie sich in der Lage, ihre Stimme stark und frei zu erheben. Und das betrifft Frauen wie Männer.

Manchmal liegt das an inneren Verboten oder Selbstbildern, die man glaubt, erfüllen zu müssen. Manchmal liegt es aber auch daran, dass der Antrieb für viele von uns, die eigene Stimme auch entgegen der allgemeinen Erwartungen zu erheben, nicht groß genug ist.

Damals wollten konservative Kräfte alles beim Alten lassen. Und wie ist es heute? Ist es Gewohnheit, die dich daran hindert, für deine Wahrheit einzustehen? Ist es die Angst, dass dein Ansehen Schaden nehmen könnte? Bequeme Errungenschaften zu verlieren? Jemanden zum Umdenken herauszufordern? Oder ist es die Hoffnung, dass der Schmerz irgendwann von allein nachlässt?

Wieviel von deiner Stimme ist wirklich frei? Und wie groß ist der Teil deiner Stimme, der immer noch um Freiheit ringt – aber von deinen inneren Gesetzen zum Verstummen gebracht wird?

Vielleicht hast du bereits ein Ziel im Kopf, für das es sich lohnt, laut zu werden. Auch gegen Widerstand. Denn dir ist klar, was der Preis dafür wäre, weiterhin zu schweigen.

Und vielleicht ist sie für dich genauso inspirierend wie für mich: Die Radikalität und Kompromisslosigkeit der Suffragetten, die manchmal nötig ist, um wirklich gehört zu werden.

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Anne Kühl Dipl.-Sprecherin, Dipl.-Sprecherzieherin
Helmholtzstraße 22 | 22765 Hamburg | Telefon 0049 - 171 - 4890424 | sprechen (at) annekuehl.de
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